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Rechte Hetze im Standard

Die rechte Hetzte hat inzwischen auch die "Qualitätsmedien" erreicht.

Montag 29. Mai 2017, von mond


Österreich ist ein Land, das sehr weit rechts steht. Fast 50% der WählerInnen wollten einen Bundespräsidenten der sich selbst gerne mit Nazi-Symbolen (Blaue Kornblume) schmückt, dessen Partei gegen MigrantInnen hetzt und die sich zwar nicht "Nationalsozialistisch" nennt, weil das in Österreich verboten wäre, die aber mit sehr nahe daran anknüpfenden Slogan "Soziale Heimatpartei" wirbt.

Die Medienlandschaft wird von einem kleinformatigen, rechtsextremen Hetzblatt dominiert.

Wer die Politik in diesem Land etwas verfolgt den sollte nichts mehr wundern. Es ist inzwischen icht mehr nur die FP die sichtmit ihrer Hetzte gegen MigrantInnen besonders hervortut. Schwarz und Rot haben die Politik und zum Teil auch die Rhetorik längst übernommen. Daran haben wir uns leider in den letzten Jahren gewöhnt.

Eine relativ neue Qualität ist jedoch, dass der Rassismus inzwischen schon im liberalen Vorzeigeblatt "Der Standard" angekommen ist. Die Überschrift "Der Feind in unserer Mitte" ziert dort einen Artikel von Hans Rauscher. Beinahe täglich verfasst er einen Text in dem er seine kultur- und sozialrassistischen Thesen verbreitet.

Manchmal versteckt er seine Ressentiments hinter irgend welchen Studien aus denen er sich heraus picket, dass die Problem der jungen, männlichen Migranten ja deren Kultur und Erziehung geschuldet sei. Und natürlich wird auch der Islam selbst dafür verantwortlich gemacht.

Die PosterInnen im Forum sind begeistert: endlich jemand der ihnen recht gibt, endlich jemand der ausdrückt was sie schon immer gewusst haben. Manche werfen im eine "180 Grad Wende" vor, aber Rauscher postet stolz Links zu älteren Artikel in dene er belegen kann, dass er eh schon immer so rassistisch geschrieben hat.

Eines ist klar: Je mehr so ein "Kampf der Kulturen" herbeigeredet und herbei geschrieben wird, desto wahrer wird er: Wie sollen sich Menschen hier willkommen fühlen wenn ihnen ständig unterstellt wird, dass sie hier nicht herpassen und ihre Kultur nicht mit "unserer" kompatibel ist, dass sie für den Terror verantwortlich sind. Und je mehr Menschen hier diese Auffassung teilen desto mehr Ablehnung wird man unseren migrantischen Mitbürgern entgegen bringen. Wir haben eine selbsterfüllende Prophezeiung. Dass diese im der Kronenzeitung verbereitet werden sollte uns nicht wundern. Von angeblich liberalen Qualitätsblättern hätte ich mir doch etwas mehr erwartet.

Darf man also den Islam nicht kritisieren? Als Atheist würde ich sagen: man soll das sogar, so wie wir allen Religionen sehr kritisch gegenüber stehen sollten. Und man muss auch nicht immer jede Kritik an einer bestimmten Religion sofort und gleichzeitig mit einer Kritik aller anderen Religionen aufwiegen. Aber wirklich Problematisch wird es wenn ein "Wir" gegen "Die" konstruiert wird.

Dieses System – die patriarchale muslimische Gesellschaft – kann aber ganz offensichtlich mit der Moderne nicht mithalten. Daraus ergibt sich aber keine Selbsthinterfragung, sondern wahnhafte Selbstüberhöhung mit Missachtung des Lebens. - Hans Rauscher, Einserkastl, 22.12.2016

Ja. "Die Moderne", die tolle aufgeklärte, säkulare Gesellschaft mit ihren friedliebenden christlichen Wurzeln in der wir leben. War da nicht, das größte Verbrechen in der Geschichte der Menschheit, das hier vor wenigen Jahrzehnten von all diesen kultivierten, christlichen und modernen Menschen begangen wurde?

Ja, reden wir über Kultur, aber reden wir auch und vor allem über die hier vorherrschende Kultur. Da gibt es sehr viel zu reden.

Was ging denn dem Holocaust voraus? Wurde da nicht Jahrzehnte und Jahrhunderte lang einer Bevöklkerungsgruppe eine bestimmte Kutlur und bestimmte Eigenschaften angedichtet. Sehr massiv unterstützt von christlicher Seite aber zum Teil auch durchaus in der ArbeiterInnenbewegung.

Wer meint ich übertreibe, wenn ich die Hetzte gegen Muslime mit dem Antisemitismus vergleiche, für den/die hätte ich ein paar Zitate:

Die Journalistin "Katie Hopkins" erklärte nach dem Terroranschlag von Manchster via Twitter, es bedürfe jetzt einer "Final Solution". Der Journalist "Sam Harris" ist schon seit längerer Zeit dabei, über einen nuklearen Erstschlag gegen die arabische Welt nachzudenken.

Was wollen Terroristen eigentlich erreichen? Genau das: Angst und Schrecken verbreiten und uns gegeneinander Aufhetzten. Je mehr Ablehnung den hier lebenden Muslimen entgegen schlägt desto leichter sind sie zu rekrutieren. Herr Rauscher leistet prima Arbeit für den IS, was können die sich mehr wünschen als das alle Muslime zum "Feind in unserer Mitte" gestempelt werden. Es ist einfach unglaublich. Gerade angesichts der grauenhaften Terrorakte ist es unglaublich, dass diese auch noch von "ach so liberalen" Journalisten in ihrem Tun unterstützt werden.

Unglaublich, aber es gibt doch etwas Logik in der Sache: Der Standard als neoliberales Propaganda Organ (Der Wirtschaftsteil ist voll von Lobeshymnen auf TTIP & Co) braucht natürlich Erklärungen dafür, dass manches in der Welt schief läuft. Und damit man nicht die eigene Ideologie in Frage stellen muss, ist es schon praktisch wenn man das da und dort auf eine "Kultur die offensichtlich mit der Moderne nicht mithalten kann" schieben kann. Das ist doch ein recht bequemer Sündenbock.

Das macht der Neoliberalismus im einzelnen so: Wer arm ist ist selber schuld und soll sich halt mehr anstrengen und hier offensichtlich auch im großen: 10 Millionen Menschen verhungern jedes Jahr dank des neoliberalen Kapitalismus. Rauschers Antwort (siehe oben): ihre Gesellschaft kann halt nicht mithalten.

Was für ein Kotzbrocken.

Franz Schäfer, Mai 2017

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