Anhand von abschreckenden Beispielen
Donnerstag 8. November 2007, von mond
Christiane Maringer, vom Bundesausschuss bezahlt ohne zu wissen wofür, kündigt in einem Newsletter die neue Homepage der KPÖ an.
„Der Umbau des Internet Auftritts der Bundespartei ist abgeschlossen. [...] Sie ist also mit einem contend-management-system (sic!) ausgestattet, wurde in einem open-surce-Programm (sic!) erstellt und barrierefrei.“
Noch mehr fehlerbehaftet ist die Site selbst. Zuerst aber mal ganz allgemein gedacht: Was würde den ein kommunistisches Webdesign ausmachen?
Zur Beantwortung dieser Frage ist es zuerst notwendig etwas in die Geschichte des WWW zu blicken.
Entwickelt am CERN war es zuerst gedacht um Wissen und Informationen übersichtlich transportieren zu können. Die HTML Markup Sprache war so gestaltet, dass sie erlaubte zu kennzeichnen was Überschriften in einem Text sind und was hervorgehoben werden soll. Wie die ersten Webbrowser mit diesen Tags umgehen sollten war nicht genau spezifiziert. Und auf einem Text Terminal wird „hervorheben“ auch anders implementiert werden müssen als in einer grafischen Umgebung. Im Ausdruck anders als am Bildschirm, etc, etc.. Wenn auch nicht konsequent eingehalten, so ging es doch eher um semantisches Markup als um die exakte Beschreibung eines Layouts. Wenige Jahre später füllte sich die Dot-Com Blase. Die Erstellung einer „Homepage“ stand in den Vorstandsetagen auf der Agenda. Die gaben deren Gestaltung üblicherweise an die GrafikerInnen weiter, die auch bisher schon für die Produktion von Papierwerbemüll verantwortlich waren. GrafikerInnen waren im allgemeinen keine ProgrammiererInnen. Das Konzept von semantischem Markup war ihnen fremd. Sie dachten in Schriftgößen, Farben und Punktgrößen. Als Werkzeug kannten sie die Kommerziellen Programme von Adobe & Co die auf ihrem Mac halt liefen. Kommandozeile oder ein Texteditor war den Mac-UserInnen typischerweise ein Gräuel. Drag & Drop & Klicksiklicksi musste alles gehen.
Entsprechend sahen die Homepages der damaligen Zeit auch aus. Hinzu kam noch der damals tobende Browserkrieg zwischen Netscape und Microsoft. Beide Firmen überboten sich den neu gewonnen Bedarf an „Gestaltungsmöglichkeiten“ mit immer unsinnigeren Features nachzukommen.
Mit dem Platzen der Dot-Com Blase und dem vorläufigen Ende des Browserkriegs kehrte dann etwas Ruhe in die Entwicklung des Webs. Google setzte mit seinem schlichten, hübschen und funktionalen Interface einen neuen Maßstab. Layout wurde schrittweise auf CSS umgestellt. Das erlaubte zwar einerseits eine Rückkehr zu mehr semantischem Markup, andererseits aber noch peniblere Festlegung „von wie eine Website am Browser auszusehen hat“. Hier gibt es damit zwar einerseits wieder eine Verbesserung aber die Freiheit dem Browser und den BenutzerInnen die Freiheit der Darstellung zu überlassen wird weiterhin nicht immer respektiert. Damit kommen wir zum Thema:
„Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“ — Karl Marx, 1875, „Kritik des Gothaer Programms“
Freiheit ist meines Erachtens einer der wichtigsten und viel zu oft vernachlässigten Grundwerte jeder linker Politik. Webdesign sollte also die BenutzerInnen einer Seite möglichst nicht bevormunden. Schon gar nicht nach dem Beispiel des kommerzialisierten Webs. Wenn BenutzerInnen einen default Font für ihre Website einstellen, dann kann man/frau davon ausgehen, dass sie dies tun weil sie dessen Lesbarkeit schätzen. WebdesignerInnen sollten hier nicht meinen dies besser zu Wissen. Neben einem auf CSS basiertem Design sollte eine kommunistische Site vor allem an Usabilty und an der Freiheit der UserInnen orientiert sein. Fixe Fontgrößen sind da ebenso ein NO-NO wie Links zu externen sites die in eigenen Browserfenstern öffnen.
Die Bevormundung durch WebdesignerInnen linker Sites ist dabei oft auch Ausdruck einer veralteten „Avant-garde-Ideologie“. Menschen die Denken sie wissen besser als andere wie die Welt funktioniert und die weiter meinen die anderen könnten dies nicht so leicht erkennen und müssten daher bevormundet werden [1].
Dass eine kommunistische Site Rücksicht auf die soziale Lage der UserInnen nimmt müsste seblstverständlich sein. Neuste Technologien sollten daher nur optional angeboten werden aber nicht notwendig für die Benutzung der Website sein. Ebenso selbstverständlich müsste die Benutzung Freier Software sein [2]. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Websites nicht die BenutzerInnen der Site zur Verwendung Unfreier Software zwingen. Eine kommunistische Website müsste darüber hinaus auch auf unfreie Software für den Eigengebrauch verzichten. Also Bilder nicht unbedingt mit Kommerziellen Programmen bearbeitet wo es auch GIMP gibt und Files nicht unbedingt mit CR-LF in MS-DOS Konvention daherkommen... etc..
... vom Inhalt erst einmal gar nicht zu reden:
Die Liste der konkreten Fehler und Problem des KP-Webauftritts könnte noch weiter fortsetzt werden.. Es sollte jedoch sein, dass der misslungen Webauftritt der KPÖ den veralteten und autoritären Charakter dieser Partei sehr gut widerspiegelt.
Franz Schäfer, November 2007.
[1] Vergleiche dazu auch: Sein und Schein - Wirklichkeit und Anspruch der KPÖ
[2] „Freie Software“ und „Open Source“ sind dabei nicht das selbe. Der eine Begriff („Open Source“) bezieht sich auf die bürgerliche Freiheit: Frei ist was der Wirtschaft nützt, eine Freiheit der ProduzentInnen. Der andere („Freie Software“) ist eine die eher dem kommunistischen Ideal nahe kommt und auf eine Vergesellschaftung der Produktionsmittel abzielt.
[3] d.h. z.B.: den Titel in der URL enthaltend