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Organisiert euch! Aber wie?

Donnerstag 1. November 2018, von mond


Dass heutzutage viele ziemlich schief läuft ist inzwischen mehr als offensichtlich. Klimakatastrophen, Kriege, Hunger, Rechtsextremismus, etc. Was aber tun?

Als Einzelne haben wir das Gefühl da wenig ausrichten zu können und es macht daher Sinn sich mit Gleichgesinnten in Gruppen, Parteien, NGOs zu organisieren. Es gibt ein breites Angebot an Gruppen in denen man/frau mitmachen kann. Oft genügend diese Gruppen aber nicht den heutigen Anforderungen.

Im folgenden einige Überlegungen wie denn heute entsprechend effektive, sinnvolle Organisation möglich ist. Was sind die Anforderungen an eine Partei oder NGO, in der es sich lohnt organisiert zu sein? Wie muss eine Partei strukturiert sein, damit sie für AktivistInnen attraktiv ist?

Aber zuerst:

Muss man/frau denn organisiert sein um etwas verändern zu können?

Grundsätzlich nein: Man/frau kann auch sehr viel ganz alleine bewirken und unter Umständen auch noch besser und einfacher als in einer Partei oder NGO.

Wer als EinzelkämpferIn unterwegs ist muss sich mit niemanden abstimmen, niemanden um Erlaubnis fragen ob den die geplante Aktion auch im Sinne der Partei/NGO ist. Damit kann man sehr viel schneller sein als große, träge Organisationen. Wenn es heute ein politisches Thema gibt und man/frau ist der/die Erste, der/die zu diesem Thema ein pointiertes Meme verfasst, so kann man/frau viel bewegen. 2 Tage später ist das Thema vermutlich schon wieder Schnee von gestern.

Damit aber obiges funktioniert muss die Einzelperson folgende Anforderungen erfüllen:

  • Praktisches und theoretisches Verständnis dafür, was heute schief läuft.
  • Humor und Kreativität um das entsprechend auszudrücken.
  • Technisches Know-How und Skills um das entsprechend umzusetzen.
  • Manchmal auch entsprechende zeitliche und/oder finanzielle Möglichkeiten.

Meist fallen nicht alle obigen Talente in einer Person zusammen. Schon insofern bringt also eine Organisierung Vorteile. Wichtig ist dabei natürlich, dass diese nicht mit zu krassen Nachteilen erkauft werden und dass es die Organisation schafft für Menschen die aktiv sein wollen attraktiv zu sein.

Wir halten fest: Als erste Anforderung an eine gute Organisation haben wir damit: Es muss eine AktivistInnenfreundliche Organistation sein, also eine Organisation in der sich Menschen mit obigen Talenten entsprechend einbringen könnten und wollen.

Als nächstes die Frage: Wozu Organisieren? Um die Welt verändern. Die Frage hier ist: ob sich die Organisation um ein einzelnes Thema ("single issue") kümmern soll oder ob es um sehr breite Themenfelder, bzw allgemeinpolitisches Engagement geht.

Im Falle von "single issue" Kampagnen (z.b. Ein konkretes Umweltschutz Thema, oder sogar nur die Verhinderung eines Bauprojektes) braucht es nur eine entsprechend AktivistInnenfreundliche Organisation, die weltanschaulich offen ist: Pluralismus ist hier die wichtigste Voraussetzung. Welch politisch/weltanschaulicher Hintergrund: Alle sind mehr oder weniger Willkommen solange sie die zentrale Forderung teilen. Der Vorteil hier ist: Die verschiedenen (pluralen) Zugänge müssen nicht auf "einen Nenner" gebracht werden - es reicht die Einigung in den zentralen Forderungen.

Damit die Forderungen entsprechend begründet werden können bedarf es natürlich der verschiedenen politischen Zugänge. Hier reicht es aber, die verschiedenen Zugänge, um des gemeinsamen Zieles willen, entsprechend zu akzeptieren: Damit wird es aber unter Umständen doch notwendig, eine entsprechende Abgrenzung vorzunehmen: Welche Zugänge (z.b. rechtsextreme) sind NICHT akzeptabel, selbst wenn sie das gemeinsame Ziel vordergründig unterstützen würden.

Idealerweise wird dieser akzeptable Rahmen schon zu Beginn, gemeinsam mit den Zielen, abgesteckt. Damit vermeidet man entsprechend Kraft und Zeitaufwendige Streitereien im Nachhinein.

Im Falle einer breiten, weltanschaulichen Bewegung, die Lösungen für sehr viele gesellschaftliche Fragen finden will, bedarf es natürlich etwas mehr als ein bloßes "akzeptieren".

Warum überhaupt mehr als nur "single issue" Kampagnen?

Einerseits ist das eine Folge davon, wie unsere parlamentarische Demokratie organisiert ist. Eine Partei die gewählt werden will, muss zu allen Gesellschaftlich relevanten Themen eine Position haben, denn die WählerInnen wollen wissen wie die Abgeordneten dann agieren werden.

Andererseits: Die verschiedenen Probleme die wir heute sehen sind nicht unabhängig von einander. Umweltzerstörung, Armut, Krieg und vieles mehr liegen in unserer Gesellschaftlichen Ordnung, dem Kapitalismus, begründet. Die verschiedenen "single issues" in Beziehung zu einander zu setzen und daraus eine mehr oder weniger konsistente politische Forderungen abzuleiten bringt also auch, wie man das heute nennt, Synergieeffekte.

Es wäre aber ein Fehler zu meinen, man/frau könne hier auf Pluralität verzichten: Auch wenn es erstrebenswert erscheint, aus den verschiedenen individuellen Zugängen aller Mitglieder eine gemeinsame Sichtweise zu konstruieren, so ist dies ein langwieriger Prozess, der, in einer sich verändernden Welt und mit neu hinzukommenden Mitgliedern, wohl nie abgeschlossen ist.

Am wenigsten attraktiv für AktivistInnen ist wohl eine Organisation die schon auf alles und jedes eine Antwort hat. Auch um, als Teil von Kampagnen, gemeinsam mit anderen Gruppen, arbeiten zu können ist es wichtig, mit den verschiedenen Zugängen umgehen zu können. Aber neben dem "damit umgehen" können, kommt hier ein Prozess hinzu der versucht, die Zugänge zusammen zu führen.

Was als drittes Element (neben "AktivistInnenfreundlich" und pluralistisch) hinzu kommt ist: Partizipative Entscheidungsfindung. Die "Technik" die es ermöglicht aus den verschiedenen Sichtweisen gemeinsames entstehen zu lassen.

Partizipative Entscheidungsfindung ist dabei mehr als die Suche nach einem "kleinsten Gemeinsamen Nenner" (wie er in der "single issue" Kampagne notwendig ist). Partizipative Entscheidungsfindung ist die Suche nach einer Lösung die das Know-How auf das Verständnis aller Aufbaut und zu einer gemeinsamen Sichtweise führt.

Partizipative Entscheidungsfindung (PE) und Pluaralismus (P) treten hier in ein Art dialektisches Verhältnis: PE versucht den P aufzuheben: Eine gemeinsame Sicht ist das Ziel. P ist aber auch Voraussetzung für PE: Ohne unterschiedliche Sichtweisen braucht es keine PE.

Auch das Verhältnis von PE zur "aktivistInnenfreundlichen Organisation" (AO) ist ähnlich gelagert: Um für AktivistInnen interessant zu sein, muss es möglich sein, sich als AktivistIn auch Inhaltlich einbringen zu können. Andererseits ist ein langwieriger komplexer Prozess auch etwas das potentielle AktivistInnen eher abschreckt.

Wir haben jetzt als drei Elemente die eine erfolgreiche Organisation beinhalten muss:

1.) AktivistInnenfreundlich

2.) Pluralistisch

3.) Partizipativ

Ohne das erste bekommt die Organisation keine Mitglieder, zumindest keine "aktiven", kann also nichts bewegen. Ohne das zweite kann die Organisation nicht mit der Vielfalt der Zugänge umgehen, wird als über eine sehr kleine Gruppe nicht hinauswachsen können und ohne das dritte kann die Organisation nicht zusammenwachsen und eine gewisse Tiefe erreichen.

Franz Schäfer, Oktober 2018

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