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Kapitalismus verantwortlich für Spam

Dienstag 19. Juni 2007, von mond

Sicherlich haben Sie sich auch schon gefragt: Woher kommt all der Spam? Wer schickt all die Vi*gr* und "Get Ri.ch s00n" Mails? Das Verschicken der unerwünschten Werbe-Emails ist heute ein Millionen- Dollar- Business. Zwar nicht legal,dafür aber einträglich. In einem futurezone Interview erklärte ein heute ehemaliger Spammer woher seiner Meinung nach all der Spam kommt:

„Nicht die Technik ist schuld, sondern die Gesellschaft. Solange jemand wegen oder durch Spam kauft, wird es Spam geben. Das ist Kapitalismus.“

Er hat damit den Nagel auf den Kopf getroffen. Der Kapitalismus zieht seine Gewinne aus der Ausbeutung von menschlicher Arbeitskraft und Boden (natürliche Resourcen). Dank der technologischen Entwicklung müssten wir heute allerdings nur 1/4 von dem arbeiten, was vor 50 Jahren notwendig war, um die selbe Menge an Waren und Dienstleitungen zu schaffen. Wie reagiert der Kapitalismus auf diese Entwicklung?

Wenn Menschen nur noch etwa 10h/Woche arbeiten müssten, wäre das aus drei Gründen für den Kapitalismus schlecht: Die Arbeitszeit könnte nur noch für 10 statt für 40h/Woche ausgebeutet werden und kaum jemand/jefrau würde die freie Zeit nutzen, um ihre Lebensbedingungen außerhalb des kapitalistischen Systems zu reproduzieren. (z.b. indem Menschen freie Software schreiben, malen, lesen, dichten, diskutieren oder sonst nützlich sind, ohne gleich alles in Geld verwandeln zu müssen). Die Produktivkraftentwicklung zu nutzen, um mehr Freizeit zu haben anstatt dem "Wirtschaftswachstum" zu dienen, macht es für den Kapitalismus auch schwieriger aus 100 Euro 110 zu machen.

Der Kapitalismus braucht das permanente Wachstum und das ist nur möglich, indem einerseits die Werbung um uns ständig neue Bedürfnisse schafft oder indem altes wieder zerstört wird (siehe: Bastiat, Broken Windows, Klimakatastrophen und Kriege).

Ohne Werbung läuft dieser Wahnsinn also nicht. Ob die Werbung jetzt legal oder, so wie Spam illegal ist, ist dem System dabei egal. Was gerade "legal" und was "illegal" ist, stellt ohnehin nur ein Kräftemessen innerhalb der Kapitalisten-Klasse dar. Meist schaffen es die etablierten Kapitalisten, ihre Interessen innerhalb von Staat und Gesellschaft durchzusetzen. Ihre Praktiken gelten daher als "legal", da sie es geschafft haben, dass die Gesetze nach ihren Wünschen gestaltet sind.

Die Beziehung zwischen Werbung/Spam und dem Kapitalismus geht heute also in beide Richtungen. Der Kapitalismus produziert die Werbung, aber die Werbung reproduziert auch den Kapitalismus.

"Werbeverbote sind Jobkiller" heisst es in einer Kampange der Werbewirtschaft. Mag sein: Werben schafft Arbeitsplätze. Aber die brauchen wir nicht:

„Wir brauchen keine Arbeitsplätze, wir brauchen Schuhe, Nudeln, Betten, Wohnungen, Musik und Kartoffeln, Anzüge und Würste, Badewannen und Artischocken, Haarnadeln und Rotwein, Kopfschmerztabletten und Lastwagen, Bilder, Bücher und Brot. Wenn wir nur herstellten, womit wir bisher gelebt haben, die Nachfrage sich selbst überließen und sie nicht durch Werbung nötigten, wir könnten mit der Hälfte der Arbeitszeit auskommen, zerstörerische Arbeitsplätze abschaffen, Luft, Gewässer und Böden entlasten und wieder mehr zu uns selbst finden. So verlockend diese Aussicht auch ist, jeder öffentlich Schreibende leiert die Formel von der Notwendigkeit »wirtschaftlichen Wachstums« nach, nicht anders als diejenigen, die einen Rosenkranz beten oder im Tibet Gebetsmühlen drehen. Die Gläubigen der Wettbewerbsreligion ähneln in ihrem Verhalten dem Stier während eines Stierkampfes. Der Stier unterliegt einer Täuschung, die er bis zu seinem Tod nicht durchschaut.“ E.A. Rauter - Über den Wettbewerb

Die mit der Wachstumsideologie verbundene Umweltzerstörung ist dabei also für das kapitalistische System noch zusätzlich nützlich: Indem unsere Umwelt zerstört wird, wird Bedarf für Wiederaufbau geschaffen. (Siehe: Der grüne Marx)

Franz Schäfer, Juni 2007

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