qummunismus / kommunismus reloaded
Startseite > Informationstechnologie > Warum Facebook zerschlagen nicht reicht - Was tun um die Macht der (...)

Warum Facebook zerschlagen nicht reicht - Was tun um die Macht der Techkonzerne brechen?

Dienstag 5. Oktober 2021, von mond

Der Ausfall von Facebook, WhatsApp und Instagram hat vielen Menschen wieder gezeigt wie stark die Social Media Technologien in der Hand weniger Konzerne konzentriert sind. Die 3 oben genannten gehören alle zu Facebook.

Was tun? Zerschlagen? Verstaatlichen?

Zerschlagen wäre mal ein guter Anfang. Viele dieser Konzerne haben inzwischen sehr viele sehr diverse Geschäftsfelder die absolut nicht unter einem Dach sein müssen. Amazon macht nicht nur viel Geld mit dem Onlinehandel sondern auch als AWS cloud provider. Warum muss Facebook auch den Messaging dienst WhatsApp kontrollieren? Warum durften die den überhaupt kaufen? Gibt es keine funktionierenden antitrust Gesetze mehr?

Für eine Zerschlagung sollte sich relativ leicht eine Mehrheit finden lassen. Immerhin ist antitrust-Gesetzgebung ja vor allem auch das Mantra der Wirtschaftsliberalen: Monopole sind keine freie Marktwirtschaft.

Verstaatlichen? Dass private Konzerne all dies Kontrolle über unsere sensibelsten Daten haben ist ziemlich bedenklich. Dass das ganze direkt in staatliche Hand kommt würde das ganze aber eher nicht weniger gefährlich machen. Im Gegenteil. Wir wissen wie schnell faschistische und faschistoide Machthaber die Kontrolle über einen Staat übernehmen können. Nicht nur in den USA sondern auch bei uns. Sieh Trump. Siehe den beinahe Sieg von Hofer und sie die verschieden schwar-türkis-blauen Regierungen. Wir sollten sich im übrigen nichts all zuviel vormachen die Geheimdienste haben bei diesen Techkonzernen schon sehr weit die Finger drinnen. Sicherlich eine Verstaatlichung hätte den Vorteil dass die obszönen Gewinne nicht mehr in der Hand von Privaten landen. Aber die Daten unter staatlicher Kontrolle geht leider gar nicht!

Was wären die Alternativen? Was wäre wirklich sinnvoll?

Es braucht Systemänderungen die die grundlegenden Bedingungen ändern unter denen diese Konzerne überhaupt so groß und mächtig werden konnten.

Allen voran einmal ein generelles Werbeverbot und hier vor allem einmal ein

Verbot von Online-Werbung

. Firmen dürfen ihre Produkte auf ihren eigenen Websites über den grünen Klee loben aber es muss verboten werden dass auf anderen Seiten dafür Werbungen eingeblendet werden. Keine Banner und keine Ads mehr auf Social Media Sites und kein bezahltes Product-Placement bei „Influencern“.

Ein sehr weit gehendes Werbeverbot wäre alleine schon aus ökologischen Gründen zu begrüßen: Werbung leistet für unser Gesellschaft nichts nützliches - im Gegenteil: Wir werden dazu gebracht Klumpert zu kaufen das wir nicht brauchen. Ein Werbeverbot wäre damit ein wichtiger Schritt gegen den Klimawandel.

Ein Online-Werbeverbot hätte auch den Vorteil, dass es, zumindest für entsprechend große Websites und Social-Media Sites auch regional durchsetzbar wäre: Wenn z.B. die EU beschließen würde dass Facebook, Google & Co keine Online Werbung mehr verbreiten dürfen so könnten diese Konzerne das mal für die Region Europa umsetzen. Und dann würden hoffentlich Andere Länder folgen.

Mit einem Online-Werbeverbot wäre die Geschäftsgrundlage dieser Konzerne entzogen und damit auch die Motivation das Verhalten der User:innen so detailliert zu tracken.

Dezentrale Systeme, Offene Schnittstellen und Freie Software/Open Source

Ein Social-Media System ist, was Ökonom:innen als „natürliches Monopol“ bezeichnen. Es kann nur einen geben - oder zumindest nur relativ wenige: Niemand braucht ein Kommunikationssystem bei in dem nicht mit anderen Menschen kommuniziert werden kann. Je mehr Menschen ein System nutzen desto höher ist der Druck auf alle anderen es auch zu nutzen. Ich hab mal versucht ohne Facebook auszukommen - funktionierte aber nicht gut. Insbesondere wenn ich politisch aktiv bin will ich auch viele Menschen erreichen können.

Aber die Situation müsste nicht so sein: Auch beim Telefonsystem - ebenfalls ein natürliches Monopol - haben wir es geschafft dass trotz verschiedener Anbieter es möglich ist dass alle zu allen kommunizieren können. Der Schlüssel hier sind offene Standards: Es ist normiert wie ein Mobilfunk- oder Festnetzbetrieber mit einem anderen Telefonate austauschen kann. So etwas müsste auch für Social-Media Plattformen erzwungen werden: Offen Schnittstellen, erarbeitet von Open-Source Aktivist:innen die es erlauben Social-Media Plattformen miteinander zu verbinden und eine gesetzliche Verpflichtung die die großen Player zwingt diese Schnittstellen anzubieten. Ein besonderes Augenmerk muss dabei auf Möglichkeiten gelegt werden, die es User:innen erlaubt Kontrolle über die eigenen Daten zu behalten und entsprechende Verschlüsselungstechniken um die Privatsphäre zu schützen.

Ein wichtiger Baustein im Kampf um unsere digitalen Rechte ist natürlich Freie Software/Open Source. Hier sollte der Staat eingreifen und gezielt initiativen und Projekte fördern die helfen freie Plattformen zu etablieren. Mit relativ wenig Geld könnte hier sehr sehr viel geschaffen werden.

Leider passiert momentan genau das Gegenteil: Unser Verpflichtet unsere Schüler:innen zu Microsoft-Teams und anderen hoch-proprietären Plattformen. Jetzt bekommen Schüler auch noch Laptops mit Microsoft drauf und einem Staatlichen "Managementtool"/Überwachungsbackdoor. Und das mit unserem Steuergeld. Ein Skandal sondergleichen und das alles trotz grüner Regierungsbeteiligung. Da brauchen wir uns über die Macht dieser Konzerne nicht zu wundern - wenn wir sie mit unserem Steuergeld auch noch füttern und unser Kinder indoktrinieren lassen.

Wir sehen also: Die Macht der Techkonzerne ist nicht kein Naturgesetz. Es gäbe sehr viele Möglichkeiten hier politisch einzugreifen. Vorausgesetz der Wille und das Know-How wären da, könnten wir sehr viel tun. Nicht nur im fernen Amerika sondern auch hier in Europa und auch sehr viel in Österreich.

Franz Schäfer (Mond), 5. Oktober 2021


| Sitemap | Newsletter | About | Impressum / Kontakt | RSS Feed | SPIP | Copyleft: Alle Artikel und Fotos unter GFDL falls nicht anders angegeben