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Wann platzt die Kapitalismus Blase?

Die wirkliche Krise steht womöglich noch bevor

Dienstag 11. November 2008, von mond


Immobilienblase und Börsencrash sind in aller Munde. Die Aktienkurse scheinen sich aber schön langsam wieder zu fangen. Ist die Krise überstanden oder liegen neben den faulen Krediten noch andere Leichen im Keller?

Die Immobilienblase selbst dürfte noch relativ wenige Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben. Allerdings könnte eine Rezession durchaus noch weitere Probleme zum Vorschein bringen. Benni Bärmann hat einen interessanten Artikel verfasst, in dem er sechs Stufen der Krise auflistet. Von einer Branchenkrise, über branchenübergreifende Krisen bis hinauf zu Systemkrisen und Menschheitskrise.

Eine Krise auf einer unteren Stufe kann dabei als Indikator und/oder Auslöser einer Krise auf höherer Stufe wirken. Insofern könnte die Immobilienblase durchaus ein noch deutlicheres Nachspiel haben als eine vorübergehende Rezession.

Die sozialen Verhältnisse sind eng verknüpft mit den Produktivkräften. Mit der Erwerbung neuer Produktivkräfte verändern die Menschen ihre Produktionsweise, und mit der Veränderung der Produktionsweise, der Art, ihren Lebensunterhalt zu gewinnen, verändern sie alle ihre gesellschaftlichen Verhältnisse. Die Handmühle ergibt eine Gesellschaft mit Feudalherren, die Dampfmühle eine Gesellschaft mit industriellen Kapitalisten.“ — Karl Marx, Das Elend der Philosophie, MEW4:130

Das kapitalistische System ist schon lange keine adäquate Form der Produktion. Siehe auch: Die sieben Probleme mit dem Kapitalismus.

„Der Kapitalismus ist damit in der Entwicklung seiner Produktivkräfte an eine Grenze gestoßen: eine Grenze, jenseits welcher er sich selbst überwinden müsste, um sein Potenzial auszunützen.“ — André Gorz, Die Presse/Spectrum 14.08.2004.

Ein Großteil der Produktivität wird von diesem System künstlich unterdrückt. Durch so genannte „geistige Eigentumsrechte“ wird der freie Informationsaustausch behindert und künstliche Knappheit geschaffen. Ebenso durch Werbung und durch Kriege. Kriege als Mittel gegen die Überproduktion wurden von Marx schon im Manifest erwähnt. Heute, 160 Jahre später ist die Produktivität noch um ein vielfaches höher und die Methoden der Schaffung von Knappheit um vieles ausgefeilter.

Seifenblasen In Bursting the proprietary-software bubble zieht Mark Tayler einen Vergleich zwischen der Immobilienblase und der Blase der proprietären Software. Ähnlich gelagert argumentiert Brian Kahin in The Patent Bubble... Still Growing.

Wobei der auf IT und Technologie fixierte Blick viele Bereiche übersieht in denen heute ebenfalls keine echte , sinnvolle Arbeit mehr geleistet wird sonder nur noch die Fehler des Kapitalismus von der einen Grube in die andere geschaufelt werden. Siehe: Bastiat, Broken Windows, Klimakatastrophen und Kriege.

Angesichts solcher Überlegungen wirkt die Immobilienblase wie der sprichwörtliche Lercherlschaas. Dass eine Systemkrise des Kapitalismus zu dessen Überwindung führen muss ist allerdings nicht gesichert: Das ganze kann (und das ist leider nicht wirklich unwahrscheinlich) auch dem gegenwärtigen Rechtsruck weiter treiben und wir landen wieder im Faschismus. Gerade angesichts der Tatsache, dass auch aus den Kreisen der selbst ernannten Linken sehr oft verkürzte und strukturell antisemitische Kapitalismuskritik zu hören ist.

Franz Schäfer, November 2008

(Artikel Logo: Remixed from flickr, aussiegall Unter CC Attribution 2.0 Licence)

Update: 12.11.: Die völlig obsolete Musikindustrie bittet um Bailout

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