Gemeinhin wird angenommen, dass die Konkurrenz unter den KapitalistInnen zur Steigerung der Effizienz führt. So dachte auch Marx. Allerdings war Marx auch bewusst, dass die zunehmende Produktivität damit auch zu Überproduktion und periodischen Krisen führt in denen durch Kriege und andere Mittel wieder Produktivität vernichtet wird.
Die dank der technologischen Entwicklung enorm gesteigerte Produktivität hat aber wohl auch dazu geführt, dass der Kapitalismus genötigt war strukturelle Ineffizienz zu schaffen. Eine Firma beutet ihre Arbeitskräfte aus um Gruben auszuheben. Eine andere beutet andere Arbeitskräfte aus um die selbe Grube wieder zuzuschütten. Netto wird nichts sinnvolles für die Gesellschaft geschaffen. Alles was notwendig ist, ist es sowohl das Ausheben der Gruben als auch deren Zuschüttung als Produkt zu gestalten für das, für sich gesehen ein Bedarf besteht.
Zur Analyse dieses Sachverhaltes siehe: Bastiat, Broken Windows, Klimakatastrophen und Kriege und Am Beispiel von Microsoft: Wie teuer kommt uns der Kapitalismus?.
Interessant wäre es wissenschaftliche Studien zu finden die etwas genauere Zahlen über diese massive Ineffizienz im Kapitalismus liefern. (Ich würde mich über entsprechende Hinweise von LeserInnen freuen).
Wir finden viele völlig oder teilweise unproduktive Bereiche und solche die wo nur Mängel des Kapitalismus wieder behoben werden.
Wie produktiv arbeiten Sie?
Am höchsten wird die Produktivität wohl noch in Bereichen sei die direkt nützliches Produzieren. Landwirtschaft und Bauwirtschaft. Eine Zahnärztin sicherlich fast gänzlich sinnvolle Arbeit. Ebenso eine Lehrerin (wobei es schon wieder von der Schule und der Schulstufe abhängt. In manchen dieser Bereiche wird zum Teil auch an der neoliberalen Ideologievermittlung gearbeitet. Zum Teil wird auch nicht mit voller Effizienz gearbeitet, da Lehrmaterial durch so genannte Geistige Eigentumsrechte unzugänglich gemacht wurden. etc..).
Wie produktiv arbeiten Sie?
Hohe 80% oder eher rund um die 0% ? Manche Bereiche richten insgesamt sogar mehr Schaden an als sie nutzen, aber nach obiger Zählweise wäre hier der die ineffizienz auf der Seite jener zu verbuchen die den Schaden wieder ausbaden müssen. (Was durch externalisierte Kosten auch in ihrer Freizeit passieren kann.)
Mich würde es sehr wundern wenn wir im Durchschnitt auf über 30% kommen. Rechnet man/frau die Produktivitätssteigerung der letzten 50 Jahre dann müsste sich unsere Arbeitszeit auf 1/4 reduziert haben. Hat sie aber nicht. Ein Teil der (auch schon damals mit kapitalistischer Ineffizienz beladenen) Produktivität ist sicherlich in eine Steigerung des Lebensstandards geflossen. Aber sicher nicht alles.
Es ist bezeichnend für unsere Gesellschaft, dass es kaum wissenschaftliche Arbeiten über dieses Thema gibt, geschweige denn dass unsere Medien voll sind von Berichten die dieses Thema aufgreifen. Selbst der linke Diskurs dreht sich immer noch wesentlich um das Thema Umverteilung. Dabei wäre, angesichts obiger Überlegungen, bei einer Abkehr vom kapitalistischen Produktionsmodell eine wesentliche Steigerung der Lebensqualität für (fast) alle Menschen möglich.
Franz Schäfer, Dezember 2008
Update: Link von Bänni: 5-stunden-woche.de