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Ist der Mensch zu schlecht für den Kapitalismus?

Die Gefahr eines regressiven Antikapitalismus

Freitag 27. März 2009, von mond

Kapitalismuskritik ist angesichts der aktuellen Finanzkrise in Mode gekommen. Leider beschränkt sich die Kritik meist auf oberflächliche, verkürzte Kritik. Es werden billige Sündenböcke gesucht die für die Misere verantwortlich gemacht werden können. Diese Art von Kritik ist nicht nur wenig hilfreich sondern sogar extrem gefährlich.

Siehe dazu auch: Verkürzte Kapitalismuskritik, struktureller Antisemitismus und die "Invasion der Heuschrecken".

Das dumme Gerede von der angeblichen „Gier

Besonders verbreitet ist heute die moralisierende Kapitalismuskritik: Die „Gier“ der Manager sei Schuld am Problem. Dies wird meist kombiniert mit einem Verweis auf deren extrem hohen Gehälter.

Angesichts solcher „Analysen“ muss die provokante Frage aufgestellt werden: Ist der Mensch zu schlecht für den Kapitalismus? Genau das ist ja dem Kommunismus immer wieder vorgeworfen worden: Er wäre ja eine nette Idee aber stünde im Widerspruch zu der, als schlecht vorausgesetzten,Natur des Menschen.

Ist natürlich beides himmelschreiender Unsinn. Profite zu machen ist (oft sogar gesetzlich Verankerte) Pflicht von Unternehmen. Wer als UnternehmensleiterIn von den AktonärInnen bestellt werden will muss sich jedenfalls diesem Ziel verschreiben. Dafür wird er oder sie dann bezahlt. Es ist ein Job wie jeder andere. Von Börsenbroker bis zum Hauswart arbeiten wir alle in dieser Maschinerie mit und tun wofür wir bezahlt werden.

Die Gefahr wenn die Kritik am Kapitalismus auf eine moralische Ebene verlagert wird (und genau das passiert wenn wir von so genannter „Gier“ gesprochen wird) ist, dass dabei das System aus dem Blickfeld gerät und plötzlich einzelne Menschen als Sündenböcke dastehen. Die Folge: Repression zur Durchsetzung der moralischen Standards und im schlimmsten Falle die physische Vernichtung aller jener die sich nicht unterordnen wollen oder denen eine Unterordunung nicht zugetraut wird. Auschwitz sollte hier ein deutliches Mahnmal sein. Dem dummen Gerede von der „Gier“ muss entschieden entgegengetreten werden.

Kapitalismus funktioniert nicht

Und das sagen nicht nur unbelehrbare Altkommunisten sondern so denkt ganz offensichtlicht auch die EU-Kommission.

Immerhin greift sie ja sehr oft und sehr intensiv in den freien Markt ein: Z.b: Glühbirnenverordnung: Obwohl Energiesparlampen auf Dauer offensichtlich deutlich billiger sind als alte Glühlbirnen sah sich die EU-Kommission genötigt diese zu verbieten. Wo bleibt da die angeblich so gut funktionierende freie Marktwirtschaft wenn sogar solch winzige Details geregelt werden müssen? Detto mit Handyroaminggebühren & co. etc..

Im Zuge der unsäglichen „Gier“-Debatte wird darüber nachgedacht ManagerInnengehälter zu limitieren. Wo bitte bleibt da die freie Marktwirtschaft? Und wenn sie bei all diesen Detailfragen offensichtlich nicht funktioniert warum soll sie dann überhaupt irgendwo funktionieren?

Wobei angesichts der Tatsache, dass der Kapitalismus dort wo er „funktioniert“ noch größeren Schaden anrichtet (siehe: Die sieben Probleme mit dem Kapitalismus) es oft gar nicht so schlecht ist wenn er wo nicht funktioniert...

Diese System produziert periodische Krisen, Ungleichverteilung, Hunger, Kriege, 10 Millionen Tote/Jahr, Umweltzerstörung und Klimakatastrophen. Dass es dazu eine bessere Alternative geben muss ist einsichtig. Dass wir es auch noch weit schlechter anstellen können sollte aus der Geschichte ebenfalls bekannt sein.

Die verkürzte, moralisierende und antisemitische Kapitalismuskritik entsteht dabei nicht immer bloß aus Dummheit sondern auch aus dem Wunsch weitermachen zu können wie bis jetzt.

Aus diesem Wunsch speist sich auch

das Gerede von der „Sozialen Marktwirtschaft

Bei diesem Begriff handelte es sich immer schon um einen PR-Begriff aus der Mottenkiste der neoliberalen IdeologInnen.

Marktwirtschaft ist nicht sozial. Die 10 Millionen Menschen die Jährlich verhungern verhungern nicht deswegen weil es zu wenig Nahrung gibt sondern weil sie in dieser Marktwirtschaft weder als Konsumenten nicht gebraucht werden.

Marktwirtschaft funktioniert nur bei Mangel (wer würde am Strand schon Sand verkaufen?) und dort wo kein Mangel herrscht dort trachtet der Kapitalismus danach diesen herzustellen. Darum auch der massive Ausbau der so gennannten geistigen Eigentumsrechte. Seit die Kids ihre Musik kostenlos übers Netz tauschen können besteht kein Mangel mehr an Musik.

Das Gerede von der „Sozialen Marktwirtschaft“ ist also bloß eine Neuauflage der selben Lügen. Wenn aber Marktwirtschaft von sich aus nicht sozial ist was stellen sich diejenigen die sie propagieren denn darunter vor? An dieser Stelle find das Gerede von der „Sozialen Marktwirtschaft“ oft Anschluss zum Gerede über die angebliche „Gier“. Was die angeblich „soziale Marktwirtschaft“ von der „normalen“ Marktwirtschaft unterscheiden soll ist eben eine „moralische Erneuerung“, ein „Verzicht“ auf „Gier“, etc..

Siehe auch:

Franz Schäfer, März 2009.

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