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Kritik am Geldsystem versus Kritik am Kapitalismus

Freitag 29. Dezember 2017, von mond

Immer mehr Menschen merken, dass vieles mit der Welt heutzutage nicht
stimmt. Was genau falsch läuft ist aber den wenigsten klar. Mangels
grundlegender marxistischer Bildung fallen viele Menschen auf die Propganda
rechter Hetzer herein: Das problem am global herrschenden Kapitalismus ist
nicht der Kapitalismus sondern das globale und ihre "Lösung" daher:
Nationalismus.

Wer etwas genauer schaut erkennt meist: Die Probleme haben wohl etwas mit
unserem Wirtschaftssystem zu tun. Aber auch hier gilt: mangels
marxistischer Bildung zimmern die Mesnchen ihre Kritik am System meist sehr
oberflächlich zusammen. Kapitalismus: Da steckt doch "Kapital" drinnen und
das hat ja was mit "Geld" zu tun. Dieser Überlegung folgend, und ein paar
entsprechnde Youtube Videos später, entwickeln sie dann entsprechnde
hanebüchene Kritiken am Geldsystem.

Im Folgenden will ich auf die gängisten dieser "Analysen" eigehen und auch
kurze Überlegungen anstellen ob es in einer idealen kommunistischen Zukunft
noch Geld geben wird. Zuvor aber eine kurze Erläuterung der Begriffe:

"Geld" ist ein Mittel um den Tausch zu erkleichtern. Ich besitze 30 Schafe,
brauche aber einen Zahnartz. Mein Zahnarzt will keine Schafe, benötigt aber
dringend eine neue Gasttherme. etc. Klar ist hier braucht es sowas wie Geld
um den Austausch entsprechend einfach zu machen. Marx nennt das
Äquivalententausch: Es wird niemand übervorteilt under benachteiligt:
Menschen Tauschen Güter zu ihrem Wert. (Wie dieser "Wert" zustande kommt ist
eine eigene Frage.)

Kapital hat damit wenig zu tun: Die KapitalistIn besitzt Fabriken, Farmen,
Ölfelder, etc.. Produktionsmittel (die einen, in Geld ausdrückbaren, Wert
haben) aber er sie hat nicht unbedingt viel Geld unter der Matratze. Wenn er
seine Farmen verkauft um statt dessen Aktien eines Produktionsbetriebes zu
kaufen wird er kurzzeitig viel Geld am Konto haben, aber das Geld am
Girokonto bringt keine Rendite und so ist die Motivation hoch, das Geld
schnell wieder los zu werden.

Kapital ist ein gesellschaftliches Verhältnis: Die einen besitzen, die, für
unser Leben notwendigen Produktionsmittel, die anderen haben nichts anderes
zu verkaufen als ihre eigene Arbeitskraft. Den Lohn den sie, üblicherweise
in der Form von Geld, bekommen reicht gerade um das Leben zu ermöglichen.
Siehe auch. Mr.Peel und das Bedingungslose Grundeinkommen.

Profit für die BesitzerInnen der Produktionsmittel kommt vom Verkauf der
Arbeitskraft. In einer Gesellschaft in der die Arbeitskraft einer Person
ausreicht um mehr Waren und Dienstleistungen herzustellen als sie selbst
bebnötigt um zu Leben kann man aus dem Ankauf von Arbeitskraft und dem
Verkauf von Produkten die mit dieser Kraft hergestellt werden Gewinne
machen. Am Ende des Tages gibt es nur 2 Dinge die Wert schaffen: "Die Erde
und der Arbeiter".

Die ganze unübersichtlich komplexe Vielfalt von Finanzprodukten: Derivate,
CDF, Fonds, etc, etc... täuscht nur darüber hinweg wo der eigentliche Proft
gemacht wird: Bei der Ausbeutung unserer Arbeitskraft und der Grundrente.

Geld ist in diesem kapitalistischen System ein wichtiges Hilfsmittel aber
nicht die grundlegende Urasche allen Übels.

Gelschöpfung der Banken.

Eine Unternehmerin hat bereits 2 Große Fabriken um ein bestimmtes Gut
herzustellen. Sie kann aberdie Nachfrage nach dem Produkt kaum befriedigen.
Sie will eine dritte Fabrikshalle bauen. Größer als die beiden ersten und
mit noch teureren, aber dafür effizienteren Maschinen. Es fehlt ihr dazu
aber an Geld. Sie geht also zur Bank und bittet um einen Kredit. Die Bank
will als Sicherstellung eine Hypothek auf die bereits bestehenden Fabriken
und borgt ihr das Geld.

Banken dürfen mehr Geld verborgen als sie als Spareinlagen oder als
Eigenkapital besitzen.

An dieser Stelle setzen in den Youtube Videos üblicherweise die dramtischen
Soundeffekte ein. Meist ist es einer der 3 Punkte die hier als wichtige und
tiefschürfende "Erkenntnis" verkauft werden:

1.) "Geld aus dem Nichts"

2.) "Geld als Schuld"

3.) "Die Zinsen sind das Problem"

Zu diesen "Erkentnissen" im einzelnen:

1.) "Geld aus dem Nichts"

Banken dürfen nicht beliebig Geld erschaffen sonderne sind, was das
Verhältniss von Einlagen zu Krediten betrifft, entsprechende reguliert. In
den USA ist das meist ein Faktor 10. In Europa gibt es die Basel I bis III
Regelungen, die entsprechende Risikobewertungen verlangen. Im obigen
Beispiel ist das Risiko relativ gering. Die Bank hat ja die Hypotheken auf
die beiden Fabriken. Eventuell hätte sie sich auch mit einem unabhängigen
Expertengutachten für den Bussines-Plan für die Rentabilität der dritten
Fabrikshalle zufrieden gegeben.

Es wird hier also gar nichts "aus dem Nichts" geschöpft: Die Werte sind
immer irgendwo vorhanden. Natürlich können auch Kredite ausfallen: Im
obigen Beispiel: Die Nachfrage nach dem hergestellten Produkt kann ziemlich
rasch sinken, sobald ein andere Fabrikant ein besseres Produkt findet, das
möglicherweise auch noch billiger herstellbar ist und das selbe Bedürfnis
abeckt. Auch jede Versicherung deckt weit mehr potentielle Schadensfälle ab
als sie sich leisten könnte.

Was würde passieren wenn wir den Banken verbieten würden mehr Kredite zu
vergeben als sie Einlagen haben? Sehr rasch würden sich die KapitalistInnen
andere Methoden überlegen um an Geld für Investitionen zu kommen und die
Banken würden sich neue "Finanzprodukte" ausdenken, die das Ermöglichen.
Firmen können schon jetzt Aktien ausgeben, Stille TeilhaberInnen haben, etc,
etc.. Auch Aktien funktionieren als "Geld": Jemand der sie besitzt kann sie
im Austausch gegen Leistungen jemanden anderen überschreiben. Jeder einzelne
von euch kann übrigens derartiges Geld relativ leicht erschaffen: Man/Frau
muss nur einen Wechsel ausstellen.

Insgesamt ist es also schwer Vorstellbar, dass das System nicht sehr rasch
wieder eine Möglichkeit finden wird Geld zu schaffen, aber nehmen wir ganz
kurz an es würde gelingen. Im obigen Beispiel könnte also die Fabrikantin
ihre ditte Fabrikshalle erst bauen, nachdem sie mit den Gewinnen aus den
ersten beiden so viel verdient hätte, dass sie den Bau den dritten Halle
daraus bezahlen könnte. Das würde das System verlangsamen und behindern
aber am der Grundsätzlichen Funktion der Ausbeutung rein gar nichts ändern:
Man hätte einen Kapitalismus durch einen schlechter funktionierenden
Kapitalismus ersetzt, aber noch lange nicht irgend etwas Positives dadurch
erreicht.

Was steckt hinter dieser Kritik am Geldsystem? Auch der Staat kann, über die
von ihm kontrollierten Zentralbanken das System nutzen um sich Geld zu
leihen und darüber notwendige Infrastrukturprojekte zu finanzieren oder
kurzfristige Konjunkturimpulse zu geben. Diejenigen die den Staat insgesamt
schwächen wollen um den realtiven Einfluß von Privaten zu stärken haben ein
Interesse daran solche "Theorien" zu verbreiten.

2.) "Geld als Schuld".

An dieser Stelle wird die Diskussion meist esoterisch, moralisch.
Insbesondere im deutschen ist der Begriff "Schuld" noch dazu doppeldeutig
aufgeladen. Hinein spielt auch die Nazi Propaganda vom "Schaffenden" im
gegensatz zum "Raffenden" Kapital. Im obigen Beispiel wäre wohl die
Fabrikantin die "Gute" die nützliche Dinge für die Gesellschaft Produziert
und den Menschen auch noch "Arbeitsplätze" schafft, während die Bank das
"böse" Finanzkapital repräsentieren. Dieser Nazi-Propaganda war und ist dann
auch noch entsprechend antismetisch unterlegt. Ausgeblendet wird dabei, dass
die Ausbeutung dort passiert wo tatsächlich Produziert wird. Und nicht nur
das: Die allermeisten Problem des modernen Kapitalismus sind recht
unmittelbar im Bereich der Produktion: Die Motivation kurzlebige Produkte zu
schaffen, die Abwälzung der Kosten der Umweltverschmutzung. Die Produktion
von Waffen und Kriegen. (Siehe auch Die sieben Probleme mit dem Kapitalismus,
Bastiat, Broken Windows, Klimakatastrophen und Kriege).

Sehr eng verknüpft mit dieser unsäglichen Propaganda ist auch jene vom
"Zins".

3.) "Die Zinsen sind das Problem".

Wer das Prinzip der Ausbeutung nicht verstanden hat und auf der anderen
Seite den enormen Reichtum sieht kommt relativ rasch zu einer einfachen und
falschen Antwort: Schuld an allem ist der Zins. Zinsen und Zinseszinsen die
zu einem exponentiellem Wachstum des Reichtums der Reichen führen.

Aber die Zinsen die, im obigen Beispiel, von der Fabrikantin für den Kredit
bezahlt werden sind nicht die Ursache der Ausbeutung sondern ihre Folge.
Denn den Kreditgeber stellt sich die Sache folgendermassen dar: Mit dem
Vorhandenen Geld entweder selbst eine Fabrik aufzubauen und dort
ArbeiterInnen auszubeuten um damit einen Satten Gewinn zu erziehlen oder
diese Aufgabe anderen zu überlassen. Da die Menschen in der Bank wenig
expertise im Aufbau von Fabrikshallen haben überlassen sie das gerene der
Fabrikantin, aber einen Teil der Beute wollen sie natürlich behalten.
Ansonsten finden sich eben andere KreditnehmerInnen die bereit sind
entsprechend zu teilen.

Am Ende des Tages kann im Kapitalismus dieser Zins auch nicht einfach
verboten werden. Sehr rasch würden sich entsprechende
"Gewinnbeteilungsmodelle" finden, die genau dem Entsprechen was wir heute
Zinsen nennen. Und würde es gelingen, hätten wir das selbe Problem wie in
Punkt 1) wir hätten eine Form des Kapitalismus durch eine schlechter
Funktionierende ersetzt ohne etwas an den Grundlagen der Ausbeutung zu
ändern. (Siehe auch: Verkürzte Kapitalismuskritik, struktureller Antisemitismus und die "Invasion der Heuschrecken".)

Als Folge der absurden Kritik am Geldsystem ergeben sich dann auch
enstprechend dumme Forderungen:

a.) "Echtgeld", "Hartgeld", "Goldstandard" - Als Forderung die sich als
"Lösung" für Punkt 1 ausgibt.

b.) "Schwundgeld" - Damit Geld nicht gehortet wird und über "Zinsen" zur
Schaffung von Reichtum benutzt werden kann. Was die Dummköpfe hier
übersehen: Die Kapitalisten haben ihr Kapital eben nicht in Geld angelegt
sondern im direkten oder indirekten Besitz an Produktionsmitteln. Wird Geld
weniger wert, was bei einer hohen Inflation ohnehin der Fall ist, weden nur
die Wete der Produktionsmittel ausgedrückt in Währungeinheiten höher.

Wer verstehen will wie der Kapitalismus funktioniert und was da falsch läuft
sollte unbedingt Marx lesen. Das Kapital und das Manifest sind einmal ein
guter Anfang. Auch Lohn, Preis und Profit
ist sehr lesenswert.

Aber jetzt noch zur Frage:

Sind Geld und Kommunismus miteinander kompatibel?

Wir es in einer idealen kommunistischen Gesellschaft noch Geld geben?

Es ist grundsätzlich etwas Heikel sich eine utopische Gesellschaft in zu
vielen Details auszumalen. Dennoch denke ich, lohnt es sich über darüber
nachzudenken.

Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.” Das
kommunistische Credo sieht hier kein Geld vor. Menschen arbeiten aus Freude
an der Selbstverwirklichung einen Beitrag für die Gesellschaft leisten zu
können und jede/r bekommt was seinen/ihren Bedürfnissen entspricht. Was
utopisch klingt wäre vermutlich heute schon leichter machbar als viele
denken. In relativ naher Zukunft wird die zunehmede Automatisierung dazu
führen, dass menschliche Arbeitskraft kaum noch benötigt wird. Der Wert der
Produkte wäre damit nicht mehr durch die in ihnen enthalten Arbeit bestimmt
sondern nur durch die "Erde": Den ökologischen Fussabdruck. Viele Menschen
würden wohl gerne einmal am Mond spazieren gehen. Selbst wenn wir einen
möglichen zukünfigten Durchbruch bei Fusionsreaktoren annehmen: Die
Resourcen die einem Menschen zur Verfügung stehen werden begrenzt sein und
insofern werden wir wohl eine art von Geld benötigen, die diese Dinge
entsprechend rationiert. Sobald die Menschen einen entsprechend
Verantwortlichen Umgang internalisiert haben, nicht mehr bei alltäglichen
Dingen aber manche "Bedürfnisse" werden immer rationiert werden müssen.
Insofern ist auch Geld in einem utopischen Kommunismus vermutlich
notwendigt. Aber Geld ist nicht das Problem. Die kapitalistische
Produktionsweise ist das Problem.

Franz Schäfer (mond), Dezember 2017


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